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Wie ich Geld für Fair Fashion (und andere Dinge) spare

„Sorry, aber das kann ich mir echt nicht leisten“ höre ich oft, wenn ich mit Leuten über faire Mode rede. Ich lasse diese Aussage jetzt einfach mal unkommentiert und erkläre euch stattdessen, warum ich mir Fair Fashion leisten kann. Spoiler: Nicht, weil ich reich bin.

Zu Beginn möchte ich erwähnen, dass ich – entgegen aller Vermutungen – nicht massig Kohle mit dem Bloggen scheffle und tatsächlich von einem ziemlich normalen Teilzeitjob lebe. Ich habe auch schon wesentlich mehr Geld verdient, irgendwann allerdings festgestellt, dass mir Zeit mehr bedeutet als Scheine mit Zahlen darauf.*** Ausgehend hiervon verdiene ich nicht besonders viel Geld, tatsächlich sogar weniger als die meisten meiner Bekannten. Trotzdem kann ich mir faire Mode leisten und das vor allem, weil ich es möchte. Es hat natürlich ein bisschen Umstellungszeit gekostet, mit ein paar kleinen Tricks war es aber kein großes Problem. Wie ich Geld für hochwertige Kleidung (und natürlich andere Sachen) beiseite lege, möchte ich euch im heutigen Post erklären.

 

1 | IM VORAUS PLANEN


Früher habe ich mein Geld einfach ausgegeben, dann ab und zu auf mein Konto geschaut, bis es zum Monatsende schließlich leer war. Das kann ich mir mittlerweile nicht mehr leisten. Deshalb habe ich mir angewöhnt, jeden Monat im Voraus zu planen. Dafür habe ich eine einfache Excel-Tabelle angelegt, in der ich zum Monatsbeginn mein Einkommen, sowie Kosten für Miete, Essen, mein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel und ähnliches eintrage. Auch geplante Urlaube, Spargeld und andere große Anschaffungen werden hier eingetragen, sodass ich direkt sehen kann, was ich mir leisten kann und was eher nicht. Eine bestimmte Sache sollte hierbei nicht unterschätzt werden:

 

2 | MIND THE RANDOMS


Die Randoms nenne ich die Kosten, die man nicht wirklich vorausplanen kann. Um spontan zu bleiben, halte ich mir bei der Monatsplanung eine Summe zurück, mit der ich beispielsweise mal ins Restaurant gehe, mir einen kleinen Snack gönne, Kosmetikprodukte kaufe oder meine Sachen reparieren lasse (zu den Randoms gehört nicht das Geld, das ich für Lebensmittel ausgebe). Da ich früher grundsätzlich alles mit der EC-Karte bezahlt habe, konnte ich ziemlich gut zurückverfolgen, dass diese Summe bei mir jeden Monat ungefähr 200 Euro beträgt. Je nach Lebensstil kann das natürlich unterschiedlich ausfallen. Ich gehe zum Beispiel nie in Clubs, rauche nicht und bin auch sonst eine eher sparsame Person. Um besser den Überblick über solche Käufe zu behalten, habe ich dieses Geld (oder besser gesagt einen kleinen Teil davon ;)) immer in bar bei mir.

Bargeld ist eine gute Sache: In meinem Portemonnaie sehe ich auf einen Blick, wie viel Geld ich schon ausgegeben habe. Am besten funktioniert es, sich jede Woche eine bestimmte Summe für ‚Randoms‘ zuzuteilen und diese immer am gleichen Wochentag vom Konto abzuheben.

 

 

3 | VERWENDE MEHRERE KONTEN


Apropos den Überblick behalten: Ich bin ein Fan davon, das Geld nicht komplett auf einem Konto zu haben, sondern ein bisschen zu verteilen. Neben meinem eigenen Giro- und Sparkonto habe ich mit meinem Freund ein geteiltes Konto für Miete und Essen. So bleibt mein Kontostand immer schön realistisch und ich komme gar nicht erst auf dumme Gedanken 😉

 

 

4 | SENKE DEINE FIXKOSTEN


Bis vor ungefähr einem Jahr wollten wir eine größere Wohnung haben. 53 Quadratmeter fanden wir schon sehr wenig für zwei Personen. Irgendwann wurde klar, dass gar nicht uns die Wohnung zu klein ist, sondern den Sachen, die wir haben. Nach mehreren Ausmistaktionen ist die Wohnung nun perfekt für uns beide. Und wir haben sogar ernsthaft darüber nachgedacht, uns zu verkleinern. Ja, ich könnte mir sogar vorstellen, irgendwann in einem Tiny House zu wohnen! Mietkosten machen wohl bei den meisten von uns den größten Anteil der monatlichen Fixkosten aus. Da lohnt es sich mal nachzudenken, ob man wirklich so viel Platz braucht.

Ein zweiter großer Posten sind Lebensmittel, für die wir (sehr gern!) etwas mehr Geld ausgeben. Zum Glück lieben wir es beide zu kochen und gehen nur ab und an mal essen (und dann auch eher günstig). Hinzu kommt, dass wir Vegetarier sind, was auch schon Mal einen Batzen Geld spart. Wir haben nur einen kleinen Kühlschrank, der trotzdem oft nicht wirklich voll ist, weil wir mehrmals pro Woche einkaufen gehen (wer auf dem Dort wohnt, muss da natürlich etwas anders haushalten), so wird bei uns praktisch nie Essen weggeworfen. Auf die Arbeit nehme ich mir immer etwas mit – auch weil ich von den meisten Imbissen geschmacklich nicht wirklich überzeugt bin 😉

Das Fitnessstudio-Abo, die Zeitschrift, die du monatlich bekommst, aber eigentlich gar nicht liest und vielleicht sogar ein Auto, mit dem du nur selten unterwegs bist? Solche Sachen kosten auf Dauer ziemlich viel Geld, vielleicht brauchst du das eine oder andere ja gar nicht?

 

 

5 | SCHREIBE EINE WUNSCHLISTE – UND HALTE DICH DRAN


Ich bin mittlerweile ein großer Wunschlisten-Fan. Wie euch sicher aufgefallen ist, liebe ich Kleidung und beschäftige mich auch sehr viel damit. Trotzdem habe ich bis zum letzten Herbst mit meinen Einkäufen auch mal öfter daneben gelegen – bis ich The Curated Closet gelesen habe und mich intensiv mit meinem Kleiderschrank auseinander gesetzt habe. Ich kann jedem Modeliebhaber nur empfehlen, sich mal im Detail mit dem eigenen Stil zu beschäftigen und nicht mehr „blind durch die Gegend“ zu shoppen.

Zu Beginn jeder Saison verfasse ich nun eine persönliche Wunschliste (bei Lee findet ihr ein tolles Template dafür) und kalkuliere auch gleich die jeweiligen Kosten für die Sachen mit ein. Meistens kann ich mir ein Teil pro Monat leisten. Auf meiner Liste stehen nicht immer spezifische Teile, sondern auch einfach nur Sachen, die im Kleiderschrank fehlen (bei mir sind es zum Beispiel derzeit sommertaugliche Oberteile). Nächste Woche werde ich übrigens meine persönliche Sommerwunschliste mit euch teilen!

 

6 | GEDULD HABEN


Eine Sache, die wir uns unbedingt wieder abgewöhnen sollten, ist unsere Sofort-Mentalität. Man kann sich nicht immer alles sofort leisten, auch wenn das gern suggeriert wird. Vielleicht muss man für ein neues Paar Schuhe mal zwei Monate sparen und kann sie nicht gleich kaufen – daran ist nichts schlimmes. Genug Zeit, um den Kauf zu überdenken und zu überlegen, ob man eine Sache auch wirklich will und brauchen kann. Früher war das wahrscheinlich auch nicht anders 😉

 

7 | WEG MIT DEN STAUBFÄNGERN


Zurück zum Ausmisten: Ich glaube einer meiner häufigsten Sätze in den letzten Wochen war „Ich wusste gar nicht, wie viel Geld in unserer Wohnung herumliegt“. Tatsächlich konnten wir bereits viele der Sachen, die wir nicht mehr brauchen, verkaufen. Auch wenn es eher kleine Beträge wie fünf, zehn oder zwanzig Euro sind: Da kommt eine ganze Menge zusammen. Besonders Elektronik, Möbel und Wohnaccessoires bringen viel Geld ein – und natürlich Kleidung. Also einfach mal aussortieren. Denn was du nicht benutzt, hätte jemand anders vielleicht sehr gern 😉

 

Ich hoffe, dass euch meine Tipps zum Geld sparen gefallen haben und dass ihr einige davon anwenden könnt. Habt ihr selbst noch Ideen? Dann gern her damit!

 

 

***Mir ist bewusst, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht wie mir, die Familien ernähren müssen und schlecht bezahlte Jobs haben. Das ist nicht fair und sollte nicht so sein. Mit diesem Artikel hoffe ich trotzdem einige Anregungen geben zu können, die jeder natürlich entsprechend seiner eigenen Lebenssituation umsetzen kann.

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Nachschlag gefällig?

  • Irene Radinger

    Ein wirklich toller Beitrag. Vielen Dank!

    Lg. Irene
    http://www.moliba.blogspot.com

    • Freut mich, dass er dir gefällt! 🙂

  • Ragni

    Schön geschrieben und gut umzusetzen! Danke für die Tips, ich plane nämlich auch gerade meine Sommergarderobe und es sollen so viele faire Teile wie möglich Einzug halten.
    Liebst,
    Ragni

    • Oh, das freut mich <3 Viel Erfolg dabei!

  • Pingback: the Weekly Rundown: The Psychological Importance of Wasting Time + Ethical Clothing for Men - Seasons + Salt()

  • Pingback: at least - Summer wish list 2017: Five Pieces I want to buy this season()

  • Mira

    Liebe Lisa,
    toller Beitrag. Eigentlich so logisch und trotzdem ist es gut es einmal schwarz auf weiß zu lesen. Ich hatte auch schon öfter Diskussionen zu dem Thema mit Freunden, die einfach nicht einsehen wollten, dass man sich fair produzierte Kleidung zulegen sollte. Ich habe mittlerweile ein gutes Mittelding für mich gefunden. Die meisten Dinge kaufe ich mir second Hand, und für Teile, die ich nicht auf Flohmärkten und Vintage Läden finde, gebe ich dann einfach ein wenig mehr aus. Aber dafür dann eben fair. Mittlerweile kaufe ich nur noch ungefähr jedes dritte Monat ein neues Kleiderstück. Und das passt für mich auch.

    Alles Liebe,
    Mira

    • Ja, es ist eigentlich gar nicht so schwer. Man muss sich einfach davon losmachen, dass man immer etwas neues braucht. Mittlerweile lese ich persönlich auch am liebsten Blogs, auf denen immer mal wieder die gleichen Sachen zu sehen sind, sodass man sieht was man mit wenigen Dingen machen kann 🙂

  • Sabine

    Hi Lisa,
    hab ganz neu deinen Blog entdeckt und finde ihn wunderschön, ganz clean und decluttered. Kennst du Signe Hanssen von useless dk? Genau so clean und cool kommst du rüber!
    Mir gefallen deine Tipps sehr gut. Meine Gegenfrage auf „Ist das nicht zu teuer“- ist: „Für wen denn?“ Ich habe jahrelang unconscious geshoppt, hatte immer zuviel im Schrank und kaufe nun ganz gezielt nach der wishlist. Eine qualitativ gute Jeans, die fair und ohne Gift produziert wurde, hat ihren Preis, und der ist in Anbetracht der Jahre, die ich sie trage und der Arbeit, die darin steckt, relativ klein. Seit ich deutlich weniger kaufe, bin ich glücklicher. Und ich liebe jedes Teil in meinem Schrank! Es ist sehr befreiend!
    Was mir noch sehr geholfen hat:fast keine Frauenzeitschriften mehr zu lesen. Oder wenn, dann beim Zahnarzt oder online. Sie erwecken Bedürfnisse, die ich sonst gar nicht habe.

    • Ja, stimmt! Zeitschriften lese ich mittlerweile auch praktisch nicht mehr – ich finde die meisten auch einfach nicht ansprechend, weil es immer darum geht, irgendeinem unerreichbaren Ideal gerecht zu werden. Selten steht ja auf einer Zeitschrift: „Alles gut mir dir.“, sondern eben „So wirst du dünner, beliebter, reicher, blablabla“ und – in diesem Zusammenhang mein Liebling – „So wirst du zufriedener!“ (Also, nachdem einem auf den Seiten davor erzählt wurde, was alles nicht mit einem stimmt)… 😀

  • Amelia Bartlett

    This was eye-opening! It gave me some really actionable tips to approach in my life – especially making a wish list and sticking to it. 🙂

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